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Sulcoflowerpower

Der heutige Tag war ein reiner Cochabamba-Tag. Der Vormittag führte uns in die Berge im Südwesten. An gleich zwei Standorten gab es Sulcorebutia satt. Man muss ein wenig suchen weil die extreme Trockenheit die Pflanzen fast ebenerdig zurücklässt. Der Fotorausch durch die ersten Blüten induziert, zauberte einem ein Lächeln in das Gesicht ähnlich dem des Jokers aus dem Film Batman.

Es gab S. steinbachii und weitere. Da es diverse Farben bei einer Art gibt, kann man nicht immer genau sagen was wir eigentlich gesehen haben. Oftmals waren nur die Blüten zu sehen. Böse Zungen behaupten das es nur eine Sulcorebutia gibt die in vielen Variationen vorkommt. 😉

Comarapa nach Cochabamba

Von Comarapa aus ging es erst einmal in die nahe gelegenen Berge. S. krahnii und P. comarapana mussten nur noch, wie die Nadel im Heuhaufen, gefunden werden. Nach längerer Suche ist uns dies auch gelungen. Die Menge der Exemplare in dieser Gegend ist aber leider sehr überschaubar.

Nach der Erstellung von ausreichend Fotomaterial im zweistelligen oberen Bereich, zog es uns wieder auf die Straße. Zunächst einmal hieß es warten. Bei der ersten Baustelle ließ man die Autos nur alle zwei Stunden passieren. In der Zwischenzeit wurden im wahrsten Sinne des Wortes Berge versetzt. Ein Erdrutsch hat die Straße verschwinden lassen und nun musste einen neue gebuddelt werden. Nach dem wir dann endlich weiter durften ging es zum nächsten Kakteenstandort. Enttäuscht mussten wir feststellen das hier bereits gebaut wurde. Standort weg! 🙁

Leicht traurig ging es weiter in Richtung 3000 Meter Höhe. Wir durchfuhren Sibirien, genauer gesagt Sibiria und erfreuten uns dort einer Mordor ähnlichen Atmosphäre. Es war ein wolkenverhangener Ort der dauerhaft in den Wolken Steckte und zudem auch recht düster war. Die Bäume waren mit Tilandsien verhangen und man rechnete jeden Augeblick damit das irgendwo ein Troll aus dem Wald kam.

Hinter Sibirien kam die nächste Baustelle. Wartezeit ca. 45 Minuten. Der halbe Tag bestand eigentlich nur aus Warten an irgendwelchen Baustellen. Etwas nervig, aber es muss sein. Durch die ganze Warterei blieb nur noch ein Stop abzuarbeiten. Auch hier sorgte der Mensch dafür das das Artensterben weitergeht. Durch immer intensivere Landwirtschaft verschwinden leider immer wieder Arten.

Am Ende des Tages rollten wir dann arg ermattet in Cochabamba ein. Verkehrsregeln scheint es keine zu geben. In der Nähe des Marktes scheint es überhaupt nur Chaos zu geben. Fahrzeuge schnellen von allen möglichen Seiten auf die Kreuzungen zu bis gar nichts mehr geht und Menschen laufen auf der Straße zwischen den Fahrzeugen. Eine Ordnung war nicht erkennbar.

Vom Tag erschlagen, werde ich mich nun in 3000m Höhe schlafen legen und von den 4000m am morgigen Tag träumen. -Gute Nacht-

Auf nach Comarapa

Gestern haben wir Santa Cruz de la Sierra verlassen. Klingt einfach, ist es aber nicht unbedingt. Der Verkehr ist eher schleppend und es dauert eine ganze Weile bis man aus der Stadt herausgekommen ist. Über eine Million Menschen und größtenteils eher flache Häuser sorgen dafür das sich die Stadt enorm auf eine große Fläche verteilt.

Der erste Abschnitt führte uns zu einem natürlichen Standort von Hildewintera colademononis. Die Bilder hierfür muss ich nachreichen, da Sie auf der anderen Kamera sind. Die Pflanzen waren am anderen Flußufer und für uns  leider nicht zugänglich. Der extreme Zoom brachte somit auch keine Meisterwerke mit sich. Immerhin waren es gute Erinnerungsfotos. Der Weg zu dem Tal war an sich auch schon sehr abenteuerlich. Diverse Bäche mussten gekreuzt werden und der Weg verdiente den Namen „Weg“ nicht einmal. Schön hingegen waren allerdings die Unmengen an gelben Schmetterlingen die ihren Snack am Rande der Bäche zu sich nahmen. Beim Kreuzen der Bäche flogen dann große Mengen dieser Schmetterlinge um unseren Truck. Es hatte eine wenig etwas von Walt Disney.

Ein weiterer Standort bescherte uns G. pflanzii und diverse Säulen wie Cleistocactus, Neoraimondia. Opuntien waren auch dabei. Ein Nebensatz sollte für dieses Gestrüp reichen. 😉

Der Rest des Tages bestand aus Fahrerei und und geschüttel auf der Buckelpiste. Unserem tapferen Auto sei Dank. Wie sagte Willy noch vorgestern Abend: „It is not a Pick Up. It is a Monster Truck.“ Stimmt soweit! Ein Sechs-Sitzer mit V8 Motor wird uns die nächsten zwei Wochen durch das Land schaukeln. Die riesigen Blattfedern sorgen wahrhaftig dafür das dies auch so sein wird.

Der Beitrag für den 12.11.2015 kommt später, da es in Comarapa kein Internet gab. Auf meine Frage nach Wi-Fi bekam ich als Antwort nur ein breites Grinsen und ein verneinendes Kopfschütteln. Positiv hervorzuheben wäre allerdings die vorhandene Dusche, welche in die Mitte des Badezimmers ragte. Das Badezimmer war quasi die Duschkabine. Vor dem Duschen sollte man also alles weg packen und auch den Mülleimer schließen.

Waiting for Willy

Der Tag fing mal wieder mit einem, für hiesige Verhältnisse, gutem Frühstück an. Den Luxus möchten wir noch genießen. Die nächsten Tage dürfte es eher Magerkost werden. Als Beilagen gibt es dann wohl Vitamintabletten. Zur Einstimmung auf die nächsten Tage gab es dann auch schon einmal einen Mate de Coca – Ein Tee aus Coca Blättern.

Da Willy und auch der Wagen ab zirka 14:30 Uhr eintreffen werden, haben wir noch ein wenig Geld getauscht und für ihn noch einmal nachgesehen wann die Casa de Cambio schließt. Um 18:00 Uhr macht die Wechselstube zu und bis dahin sollte auch Willy getauscht haben. Der er „nur“ in der nächsten Zeitzone lebt (Buenos Aires), ist nicht zu erwarten das er sich großartig anpassen muss.

Ein kleiner Spaziergang führte uns dann noch zu einem kleinen Buchladen. In den letzten Tagen sind wir ja auch wieder in Santa Cruz und dann müssen wir da noch einmal hin. Es gibt ja immer gewisse Dinge die ich aus einem anderen Land mitnehmen muss: ein Kochbuch, wenn möglich ein Pflanzenbuch und eine CD mit Musik. Apropos Pflanzen und Musik: Rhipsalis musste heute im Stadtzentrum ebenso wie das Plakat einer lokalen Rockband neben dem Buchladen geknipst werden. Muss zu Hause erst einmal herausfinden wie sich das anhört.

Der nächste Beitrag kommt von uns wahrscheinlich schon aus Comarapa. Bis dahin werden wir Dinge mit Willy besprechen, essen gehen und früh schlafen. Morgen um sechs dürfte die Nacht wieder zu Ende sein und dann geht es endlich los.

Kultur und Organisation

Für die die auf Kakteen warten: heute gegen 14:30 Uhr kommt Willy und das Auto wird auch am Nachmittag geliefert. Ab Morgen gibt es dann Kakteen in Hülle und Fülle – sofern wir welche finden ;-). Der Plan war es, sich erst einmal an Klima, Land und Leute zu gewöhnen und auch in einen normalen Rythmus zu kommen. Immerhin ist es ja ein Urlaub…oder so ähnlich.

Der Blog Eintrag für den 10.11. kommt übrigens wieder einmal später wegen dem recht unzuverlässigen Internet. Für mich persönlich nicht so schlimm. Bei dem Wetter ist man ja schließlich lieber draußen als im Haus. Allein am Abend des 10.11. waren es abends noch über 27 Grad.

Da es ja nun bald mit Willy in die Anden auf die langersehnte Kaktus-Tour geht, wollten wir heute noch ein wenig Kultur inhalieren. Den Anfang machten wir aber mal wieder mit einem gesellschaftlichen Event von Abgesandten der Stadt Potosi. Ein Orchester machte Musik und Bürger der Stadt Potosi zogen um den Plaza de 24 Septiembre. Abschließend gab es eine Rede mit viel Stolz und Energie sowie Kamera Teams der lokalen Fernsehsender und der Presse. Worum es genau ging? Wir wissen es nicht. Dieser Umstand sorgt immer mehr dafür das ich darüber nachdenke einen Spanischkurs zu machen. Solche Anlässe und auch die soziale Interaktion lassen einen zum Teil recht ahnungslos im Regen stehen. Apropos…Regen hatten wir bislang nicht. Muss auch nicht sein.

Das nächste echte Kulturevent führte uns dann in die Basilika aus dem Jahr 1845. Zuerst ging es für drei Bolivianos pro Person auf den Turm. Von hier hat man einen fantastischen Ausblick. Der stetige tägliche Wind pfeift hier oben so extrem das man seine Mütze abnehmen muss und auch aufpassen sollte das man nicht von der Plattform fliegt. Nach dem Turm gingen wir dann in die Basilika. Ein sehr schönes Gebäude. Menschen saßen hier vor den Heiligenbildern und beteten. Die Kirche ist in einem guten Zustand und selbst die hölzerne Decke trotzte dem tropischen Klima.

Der nächste Punkt auf der Kulturliste hatte etwas mit Grafitis und Skulpturen zu tun. Ein ganzer Skulpturenpark hinter der Basilika war unter freiem Himmel kostenfrei zu betrachten. Sehr extravagant und avantgardistisch. Selbst ein Künstler aus Bamberg hatte sein „Dingsda“ hier ausgestellt. (Anmerkung des Autor: Man mag mich für einen Kulturbanausen halten. Mit Dingen die aussehen wie ein Chemieunfall bei Bayer, kann ich nichts anfangen.)

Nach der Kultur musste noch ein wenig organisiert werden. Die Taschen mussten umgepackt werden und sämtliche Kamera und Fotoutensilien mussten Griffbereit verstaut werden. Eine Ration Lebensmittel für unsere Tour brauchten wir auch noch. Leider ist es nicht so wie in Deutschland. Man geht nicht in einen Markt und kauft alles ein was man braucht. Die meisten Dinge sind eher auf spezialisierte Geschäfte verteilt. Diese wiederum sind oftmals im Zentrum an einem Punkt Konzentriert. So gibt es zum Beispiel eine Straße mit Cambios (Geldwechslern), eine Straße mit Schuhgeschäften oder auch Straßen mit Schmuck. Nach längerem Suchen fanden wir letztendlich auch das Geschäft unserer Begierde. Es gab trockene Lebensmittel und abgepackte Dinge. Für unterwegs im Auto ist dies einfach die bessere Wahl als Gemüse in frischer Form.

Der Tag endete mit einem leckeren Essen, einem Glas bolivianischem Wein und einer Cervezia eines deutschen Braumeisters aus Cochabamba. Es trug den tollen Namen Stier negro. Ein schmackhaftes Craft Bier das einem bei den Temperaturen allerdings in einen Hemmingway-Zustand versetzt: der Blick schweift philosophisch angehaucht und unfokussiert in die Ferne. 🙂