Archiv des Monats: März 2017

Muchas Gracias!

Ein letzter Tag sollte niemals nur aus dem ungeliebten Packen der Koffer bestehen. Also noch einmal nach Vueltas und ein ähnliches Programm wie gestern ablaufen lassen. Die Füße kurz ins Wasser getaucht und ein wenig die Felswände des Hafens bewundert. Danach noch einmal das Ritual bei dem Bäcker um die „heimischen“ Presslufthammerarbeiten und weitere störendes Bauarbeiten unserer Nachbarn zu vergessen. Ein Stück Kuchen half hier ungemein weiter. Dazu gab es nebst Kaffee und Tee noch für jeden ein Stück Gofio. Ein schmackhaftes lokales Gebäck das in Geschmack und Konsistenz stark an Mutzenmandeln erinnert. Muchas Gracias! weiterlesen

Ein Tag am Meer

Das Ende des Urlaubs naht und aus diesem Grund sollte es noch einmal ans Meer gehen. Mal wieder Vueltas, La Playa und ein wenig schlendern am Hafen (rote Krebse & bunte Boote) und am Strand. Ein letzter Besuch bei A&S inklusive Verabschiedung brachte schon ein wenig das Ende des Urlaubs näher als einem lieb wäre.

Schon bei der Abfahrt von der heimischen Hütte merkte man auf der Straße rege Betriebsamkeit. Radfahrer quälten sich den Berg hinauf und Busse schoben sich im zehn minütigem Rhytmus durch die Insel. Ein Kreuzfahrtriese, beladen mit englischen Touristen macht im Hafen bei Vueltas fest und veränderte schlagartig das Gesicht des Ortes. An der kleinen Kirche entstand ein Minimarkt und Folklore sowie El Silbo (die einheimische Pfeifsprache) Darbietungen wurden zum Besten geboten. Die neuen Gäste fielen auf und es war ebenso auffällig das die lokalen Geschäfte nicht viel Profit aus diesen Besuchern ziehen konnten.

Den Aufruhr hinter uns gelassen, zog es uns noch einmal zu dem Strand hinter dem Hafen. Bei der Marienstatue mit der Euphorbia kanariensis inklusive Früchten ging es gleich rechts zum Strand. Ein Fuß noch einmal in das kühle Naß getaucht und ein Eis ließen das klassische Urlaubsfeeling aufkommen. Damit noch nicht genug. Wir kehrten mal wieder beim deutschen Bäcker in Vueltas ein und Kaffe, Tee und Kuchen hielten das Urlaubsgefühl am Leben. Keine Hektik, kein Wandern – nur entspannen.

Kurz vor La Playa musste auch dieser schwarze, meist steinige Strand aufgesucht werden. Der Wind frischte auf, so wie es bereits den ganzen Tag im Valle zu spüren gewesen war. Der Entschluß den Strand zu verlassen stieg in uns empor, wenn da nicht wieder die Botanik gewesen wäre. Mesembryanthemum crystallinum, das Kristallkraut, versetzte uns in einen kleinen Fotorausch und ließ uns für einen kurzen Moment die kühle eisige, salzwassergeschwängerte Luft vergessen. Das Mittagsblumengewächs, welches nicht wirklich weit verbreitet ist, blühte inmitten der Schutthalden der Gemeinde vor dem Strand von La Playa. Eine Augenweide die außer uns wohl mal wieder kaum einer wahrgenommen hatte.

Zurück in der Casa wurde noch ein Text für das Gästebuch verfasst und ein wenig Leckereien beim Supermercado des Vertrauens erworben. Mit dem Einkauf einhergehend gab es noch mit zwei Gomeros ein typisches „Gespräch“ unter Einsatz von Händen und Bruchstücken der spanischen Sprache.

Mittlerweile ist es fast acht Uhr und seit Stunden pfeift der Wind wie verrückt durch das Tal und bring hin und wieder „Rebel“ mit sich. Ich nenne es einmal Rebel – eine Mischung aus Regen und Nebel. Die Temperaturen dürften mittlerweile unter 15 Grad liegen und der Aufenthalt auf der Terasse ist nicht mehr so gemütlich wie noch am ersten Tag. Die Hausmaus ließ sich blicken, den Geckos scheint es aber definitiv zu ungemütlich zu sein.

Alles in allem ein erholsamer Tag mit schönen Erlebnissen.

Alternativprogramm

Der Plan war es mit einem Boot zusammen mit A&S nach Los Organos zu fahren. Eine kurze Erklärung. A&S sind die beiden mit denen wir uns das Taxi vom Flughafen Tenerifa bis zum Fähranleger geteilt hatten. Beide sind schon mehrfach hier gewesen, sehr nett und sympatisch und zudem, so wie wir, noch nie bei Los Organos gewesen. Es folgt die zweite Erklärung. Los Organos sind Basaltsäulen die im Norden der Insel an der Küste aus dem Meer ragen. Von Land aus ist es so gut wie unmöglich diese Säulen zu sehen. Wie aus meinem ersten Satz bereits hervorgeht war es ein Plan. Leider musste der Organisator die Tour absagen, da mit kräftigem Seegang zu rechnen war.

Also musste ein Alternativplan her. Die Idee: mit den beiden mehr oder weniger unkoordiniert über die Insel fahren. Einziger fest geplanter Punkt sollte der Mirador De Abrante bei Agulo sein. Miradore gibt es viele, aber der hier ist etwas besonderes. Ein Glasquader ragt als Aussichtsplattform über die Felsen. Glasquader bedeutet in diesem Fall das der Boden ebenfalls aus Glas ist. Nicht jedermanns Fall, aber spannend.

Wir fuhren also erstmal nach Vueltas zum obligatorischen und schon fast traditionellen Brötchenkauf. Anschließend ging es zum Hafen um die letzten Minuten vor dem Treffen noch mit dem Beobachten des Treibens im Hafenbecken, dem Strand und den Hafenanlagen auszufüllen. Pünktlich hatten wir A&S eingesammelt und es ging nun direkt via Las Hayas und Juego De Bolas zu dem Glasmirador. Ein fantastisches Wetter überraschte uns bereits beim Durchfahren des Lorbeerwaldes. Kaum Nebel und viel Sonne. Sehr ungewohnt, da es doch meist neblig ist. Das Wetter hielt bis zu dem Glasmirador und die Aussicht war grandios. Man konnte bis nach Tenerifa sehen und selbst der Teide verschwand nicht in einem Nebel und Wolkenschleier. Der Ausblick ließ die besondere Glaskonstruktion schon fast zur Nebensache werden. Dennoch war es ein spaßiges Erlebnis in diesem, nennen wir es einmal Glaskasten, zu stehen. Man muss aber auch sagen das nicht jeder Gast seine Freude daran hatte. Manche rutschten auf dem Boden herum, teils aus Sorge teils aus Interesse an der Konstruktion. Ein anderer bugsierte seine Frau über den Korridor, in der Annahme ihr etwas gutes zu tun. Die Arme war total verängstigt und musste nach zwei Metern wieder zurück in das vermeindlich sichere Gebäude.

Es folgte eine kurze Pause inklusive genießen des Moments. 🙂

Der Rückweg zog uns über Vallehermoso und Arure, vorbei an der  Kreuzung von Epina. Die Kreuzung ist ansich kein erwähnenswertes Element, wenn dort nicht noch eine Besonderheit zu finden wäre. Eine „basaltische Intrusion in verwitterter Vulkanasche“ (Jager, 2012) befindet sich hier leider fast direkt in der Kurve. Einen Parkplatz für Geologiebegeisterte gibt es leider auch nicht. Es bleibt also nur das semi legale slow motion Abbiegen um ein Foto zu machen.

Wieder im „heimischen“ Valle Gran Rey angekommen, setzten wir den Entschluß um, noch ein Abendessen einzunehmen. Ein lokales Fischrestaurant mit gomerischen Spezialitäten und einem kaum in Worte zu fassenden Sonnenuntergang, rundete diesen sehr schönen Tag ab. Danke an A&S, die maßgeblich in die Gestaltung des Tages involviert waren!

Einem lokal bewanderten und eventuell aufmerksamen Leser mag die Menge der Aktivitäten an diesem Tag recht minimal erscheinen. Soweit richtig. Wir starteten in Vueltas gegen 13:00 Uhr. Dies ist der eine Grund für den recht „kurzen“ Tag. Der andere Grund war eine „Top Secret Mission“ die wir eingeschoben hatten. Ein kleiner Exkurs zu einem fast mystischen Ort der hier auch keine Erwähnung weiter finden soll. Nur so viel: Es war schön, es war bunt, es war atemberaubend was hier an Schönheit durch die Natur geboten wurde. Genau dies ist auch der Grund warum dieser fragile Ort ein Geheimnis bleibt, es keine weitere Ortsbeschreibung oder Fotos gibt und warum wir auch hoffen das keiner diesen Ort finden wird.

Bachwanderung & Echsen

Ein wenig mehr Sonne bringt Wärme. Soweit klar. Für unsere Echsen auf der Terasse heißt es Vitalität und ist ausgesprochen wichtig. Aus diesem Grund haben sich die kleinen Racker in den letzten Tagen rar gemacht und waren am heutigen Tage hingegen munter auf der Terasse und dem angegliederten Beet unterwegs. Eine nicht näher bestimmte Art und diverse Gomera Kaisereidechsen (Gallotia caesaris gomerae) hielten uns auf Trab und forderten es regelrecht ein Fotografiert und gefilmt zu werden. Es wäre eine dumme Formulierung zu sagen wir hätten dadurch Zeit verloren, aber alles in allem hatte sich der Tagesablauf ein wenig verschoben.

Erst gegen Mittag sind wir aufgebrochen um den Wasserfall bei El Guro in Augenschein zu nehmen. Genauer gesagt betraten wir den Weg bei Casa Del Seda, so wie ich es vor ein paar Tagen bereits angetestet hatte. In den meisten Wanderführern wird es aber als der Wasserfall bei El Guro angepriesen, da hier ein weiterer Pfad zu dem besagten Wasserfall beginnt. Bereits auf dem Weg zu dem beginn des Pfades gab es Meisterwerke des gomerischen Landbaus zu bewundern. Es waren Zwiebel und Kartoffelfelder, die mit einer geschickten Bewässerungstechnik, die an die der asiatischen Reisfelder erinnerte, ausgestattet waren.

Ein paar Treppen in das Lavagestein gehauen machten den Anfang. Es folgten seichte, aber steinige und mitunter feuchte Wege die entlang eines Bachlaufes führten. Vorbei an dem spanischem Rohr durchschritt man das nach Süden ausgerichtete Tal teils in der Sonne, mal im Halbschatten und selten auch im Schatten. Alles in allem sehr angenehm zu laufen und vom Klima her für jedermann ideal.

Nach einigen hundert Metern trafen wir auf die „Bar Ranco“. Keine Bar im klassischen Sinne. In einer Vertiefung des Baches lagen Getränkedosen und auf einem großen Felsen wurden wunderschöne  Anhänger angeboten. Handgefertigt und überdacht mit dem bereits erwähnten spanischen Rohr. Leichte Parallelen zum Bambus sind vorhanden. Wir kauften etwas und kamen schnell mit der Frau hinter der „Theke“ ins Gespräch. Knappe vierzig Minuten verplauschten wir über Botanik, Tierschutz und Hühner.

Nachdem wir uns verabschiedet hatten, dauerte es kaum weitere fünf Minuten bis zur nächsten Begegnung. Uns kam ein Paar entgegen und der Mann sah auf meine Talco T-Shirt, grinste und sagte: cooles Shirt. Nach einer anfänglichen Irritation, kamen wir kurz ins Gespräch. Sie erzählten das sie die Band in Bielefeld gesehen hatten, so so 😉

Der Weitere Weg bis zum Wasserfall verlief ohne größere „Zwischenfälle“. Es sei nur zu erwähnen das uns viele Wanderer aus diversen Nationalitäten und mit unterschiedlichsten Charakteren entgegenkamen. Es war quasi Rush-Hour im Tal. Dies war nicht schlimm, da eigentlich fast der gesamte Gegenverkehr freundlich Grüßte.

Hier ein kleines Video vom Wasserfall bei El Guro. Einfach mit der Maus in das Bild klicken, linke Taste der Maus festhalten und ein wenig umsehen:

Nach diversen hunderte Meter trafen wir endlich auf den Wasserfall. Eine ausgewaschene Felsschlucht mit überragender Akkustik präsentierte das herabfallende klare Wasser. Es fehlte unserer Meinung nach nur noch El Condor Pasa – live, gespielt auf einer Pan Flöte. Den Wasserfall ausreichend abgelichtet, gefilmt und bestaunt sowie dem Verzehr von etwas Wasser, trollten wir uns wieder davon und traten den Rückweg an. Geht man den gleichen Weg ein weiteres Mal, aber in der entgegengesetzten Richtung, dann fallen einem zwangsläufig andere Dinge auf. So war es auch bei diesem Weg. Wir fanden Pflanzen, die wir vorher so noch nicht wahrgenommen hatten. Das Pendelstroh war eine davon. Es sieht aus wie ein Rhipsalis, ist aber kein Kaktus. Ein weiterer Vertreter den wir näher in Augenschein  war das spanisches Rohr. Es bildete Rhizome die seines gleichen suchen und es ist unglaublich stabil. Zwischenzeitlich musste es auch als temporäres Stativ der Marke „Eigenbau“ herhalten.

Ein ganz besonderer Vertreter des Reiches der Pflanzen war die Euphorbia kanariensis. Das nach Süden ausgerichtete Tal, ein Abzweiger des Valle Gran Rey, sorgte mit den vielen Sonnenstunden für ausreichend Wärme für diese nicht ganz anspruchslose Pflanze. Einige Exemplare trugen Knospen und Blüten und ließen mich dementsprechend wie von einer Tarantel gestochen mit dem Fotoapparat umhertänzeln. Ein fantastischer Anblick. Dunkelrote Blüten!

Eine letzte Begegnung auf dem Rückweg war ein kleines Malheur von einem schweizer Paar. Die Frau, bekleidet mit unpassendem Schuhwerk rammte sich ein wenig Pflanze in den zarten Fuß. Wir konnten mit einem Sagrotantuch ein wenig zur Erstversorgung beitragen. Jeden Tag eine gute Tat – mindestens – immerhin wollte ich ja auch noch kochen. 😉

 

Zu Hause angekommen gab es ein feines Mal aus lokalem Landbau. Im Anschluss daran endete der Tag so wie er begann – mit Echsen. Diesmal unsere beiden uns bereits bekannten endemischen Gekkos, Tarentola gomerensis. Heute ließen sie sich ein wenig Zeit mit ihrem erscheinen, was vermutlich auf die eilige Luft und die leicht abgesenkten Temperaturen zurückzuführen wäre.

Es war alles in allem mal wieder ein schöner Tag und zudem ein ausgeprochen erholsamer.