Ein wenig mehr Sonne bringt Wärme. Soweit klar. Für unsere Echsen auf der Terasse heißt es Vitalität und ist ausgesprochen wichtig. Aus diesem Grund haben sich die kleinen Racker in den letzten Tagen rar gemacht und waren am heutigen Tage hingegen munter auf der Terasse und dem angegliederten Beet unterwegs. Eine nicht näher bestimmte Art und diverse Gomera Kaisereidechsen (Gallotia caesaris gomerae) hielten uns auf Trab und forderten es regelrecht ein Fotografiert und gefilmt zu werden. Es wäre eine dumme Formulierung zu sagen wir hätten dadurch Zeit verloren, aber alles in allem hatte sich der Tagesablauf ein wenig verschoben.
Erst gegen Mittag sind wir aufgebrochen um den Wasserfall bei El Guro in Augenschein zu nehmen. Genauer gesagt betraten wir den Weg bei Casa Del Seda, so wie ich es vor ein paar Tagen bereits angetestet hatte. In den meisten Wanderführern wird es aber als der Wasserfall bei El Guro angepriesen, da hier ein weiterer Pfad zu dem besagten Wasserfall beginnt. Bereits auf dem Weg zu dem beginn des Pfades gab es Meisterwerke des gomerischen Landbaus zu bewundern. Es waren Zwiebel und Kartoffelfelder, die mit einer geschickten Bewässerungstechnik, die an die der asiatischen Reisfelder erinnerte, ausgestattet waren.
Ein paar Treppen in das Lavagestein gehauen machten den Anfang. Es folgten seichte, aber steinige und mitunter feuchte Wege die entlang eines Bachlaufes führten. Vorbei an dem spanischem Rohr durchschritt man das nach Süden ausgerichtete Tal teils in der Sonne, mal im Halbschatten und selten auch im Schatten. Alles in allem sehr angenehm zu laufen und vom Klima her für jedermann ideal.
Nach einigen hundert Metern trafen wir auf die „Bar Ranco“. Keine Bar im klassischen Sinne. In einer Vertiefung des Baches lagen Getränkedosen und auf einem großen Felsen wurden wunderschöne Anhänger angeboten. Handgefertigt und überdacht mit dem bereits erwähnten spanischen Rohr. Leichte Parallelen zum Bambus sind vorhanden. Wir kauften etwas und kamen schnell mit der Frau hinter der „Theke“ ins Gespräch. Knappe vierzig Minuten verplauschten wir über Botanik, Tierschutz und Hühner.
Nachdem wir uns verabschiedet hatten, dauerte es kaum weitere fünf Minuten bis zur nächsten Begegnung. Uns kam ein Paar entgegen und der Mann sah auf meine Talco T-Shirt, grinste und sagte: cooles Shirt. Nach einer anfänglichen Irritation, kamen wir kurz ins Gespräch. Sie erzählten das sie die Band in Bielefeld gesehen hatten, so so 😉
Der Weitere Weg bis zum Wasserfall verlief ohne größere „Zwischenfälle“. Es sei nur zu erwähnen das uns viele Wanderer aus diversen Nationalitäten und mit unterschiedlichsten Charakteren entgegenkamen. Es war quasi Rush-Hour im Tal. Dies war nicht schlimm, da eigentlich fast der gesamte Gegenverkehr freundlich Grüßte.
Hier ein kleines Video vom Wasserfall bei El Guro. Einfach mit der Maus in das Bild klicken, linke Taste der Maus festhalten und ein wenig umsehen:
Nach diversen hunderte Meter trafen wir endlich auf den Wasserfall. Eine ausgewaschene Felsschlucht mit überragender Akkustik präsentierte das herabfallende klare Wasser. Es fehlte unserer Meinung nach nur noch El Condor Pasa – live, gespielt auf einer Pan Flöte. Den Wasserfall ausreichend abgelichtet, gefilmt und bestaunt sowie dem Verzehr von etwas Wasser, trollten wir uns wieder davon und traten den Rückweg an. Geht man den gleichen Weg ein weiteres Mal, aber in der entgegengesetzten Richtung, dann fallen einem zwangsläufig andere Dinge auf. So war es auch bei diesem Weg. Wir fanden Pflanzen, die wir vorher so noch nicht wahrgenommen hatten. Das Pendelstroh war eine davon. Es sieht aus wie ein Rhipsalis, ist aber kein Kaktus. Ein weiterer Vertreter den wir näher in Augenschein war das spanisches Rohr. Es bildete Rhizome die seines gleichen suchen und es ist unglaublich stabil. Zwischenzeitlich musste es auch als temporäres Stativ der Marke „Eigenbau“ herhalten.
Ein ganz besonderer Vertreter des Reiches der Pflanzen war die Euphorbia kanariensis. Das nach Süden ausgerichtete Tal, ein Abzweiger des Valle Gran Rey, sorgte mit den vielen Sonnenstunden für ausreichend Wärme für diese nicht ganz anspruchslose Pflanze. Einige Exemplare trugen Knospen und Blüten und ließen mich dementsprechend wie von einer Tarantel gestochen mit dem Fotoapparat umhertänzeln. Ein fantastischer Anblick. Dunkelrote Blüten!
Eine letzte Begegnung auf dem Rückweg war ein kleines Malheur von einem schweizer Paar. Die Frau, bekleidet mit unpassendem Schuhwerk rammte sich ein wenig Pflanze in den zarten Fuß. Wir konnten mit einem Sagrotantuch ein wenig zur Erstversorgung beitragen. Jeden Tag eine gute Tat – mindestens – immerhin wollte ich ja auch noch kochen. 😉
Zu Hause angekommen gab es ein feines Mal aus lokalem Landbau. Im Anschluss daran endete der Tag so wie er begann – mit Echsen. Diesmal unsere beiden uns bereits bekannten endemischen Gekkos, Tarentola gomerensis. Heute ließen sie sich ein wenig Zeit mit ihrem erscheinen, was vermutlich auf die eilige Luft und die leicht abgesenkten Temperaturen zurückzuführen wäre.
Es war alles in allem mal wieder ein schöner Tag und zudem ein ausgeprochen erholsamer.