Archiv der Kategorie: La Gomera 2017

Lorbeermärchenwald

Die erste Amtshandlung des Tages: tanken. Das hieß wir mussten ersteinmal zum Strand runter, volltanken, um dann wieder in die andere Richtung in die Berge zu fahren. Am Strand waren es knappe 25 Grad, wir wollten aber in die Berge zu den 10 Grad. Klingt komisch, aber am Strand gibt es einfach zu wenig Pflanzen als das man hier seinen Tag verbringen könnte. 😉

Über Arure und Barraquillo führte uns die perfekt asphaltierte Hauptstraße bis nach Las Creces. Hier hatten wir eine Tour durch den Nebel-Lorbeerwald (Laurisilva) geplant. Der Wald ist bekannt für seine mit Moosen und Bartflechten überwucherten Stämme, sowie den stetigen Nebel der durch den nordöstlichen Passatwind hineingedrückt wird. Es ist ein uralter Wald der unter Schutz steht und durch äußerst wenige menschliche Eingriffe verletzt wurde. Einige Wanderwege stehen gut ausgeschildert und markiert zur Verfügung. Andere Möglichkeiten den Wald zu passieren gibt es auch nicht, da es ein Urwald im klassischen Sinne ist. Totholz liegt ebenso wie abgeknickte Bäume herum und alles bleibt natürlich sich selbst überlassen.

Die Atmosphäre hat etwas mystisches. Wabernde Nebelschwaden, hin und wieder ein Vogelgezwitscher, ansonsten gespenstische Stile und manchmal nur ein zarter Hauch frischer Höhenluft. Wie von Geisterhand wedeln die Moose und Flechten an den Bäumen und entledigen sich in unregelmäßigen Abständen einiger Tropfen des kühlen Naß, welches dauerhaft an ihnen haften bleibt. Von Zeit zu Zeit öffnte sich ein Spalt in den Wolken und in dem Nebel, so das man das Gefühl bekommt irgendjemand hätte das Licht eingeschaltet. Nach Sekunden ist es meist wieder vorbei und man wandelt im Dämmerlicht des Waldes. Beim Laufen fallen einem so einige Parallelen aus der Filmwelt ein die in dieses Szenario wunderbar passen würden: Der Wald von Fangorn der die Ents im „Herrn der Ringe“ beherbergt oder der Film „The Fog – Nebel des Grauens“.

Die botanischen Besonderheiten in diesem Wald sind der haarige Hauswurz, Kanarischer Schneeball, Kanarischer Efeu, Zistrose, Maulbeerblättrige Brennessel (Böse!), Flechten, Moose, Farne, Pilze sowie natürlich der Lorbeer. Letzterer war mitunter sogar mit roten Früchten behangen.

Das Fotografieren in dieser Umgebung ist für jeden Laien eine absolut grauenvolle Erfahrung. Wenig Licht und teils schwierige Gegenlicht Situationen. Langzeitbelichtungen scheiden aus und langes Herumfuchteln mit dem Gerät sollte aufgrund der stets herunterfallenden Tropfen vermieden werden. Ein Microfasertuch bedeckte fast durchgehend die Kamera.

Nach einigen Stunden versuchten wir uns aus dem Bann des Waldes zu befreien und kehrten zurück über Las Hayas und  Arure nach Valle Gran Rey. Die Temperaturen stiegen nun von zehn Grad auf deutlich über zwanzig.

Nach einem kurzen Verschnaufen und einem wärmenden Tee, ging es wieder nach Vueltas. Brötchen beim deutschen Bäcker kaufen und ein paar T-Shirts als Souvenirs. Nach dem Pflicht Teil folgte die Kür. Wir fuhren nach La Playa, auf die andere Seite der Bucht und suchten das Avenida auf. Eine nette Pizzeria mit fantastischem Ausblick auf die Bucht mit dem schwarzen Lavasand. Nach einem spanischen Reisgericht und einer Pizza gingen wir frisch gestärkt zu dem allabendlichen Spektakel, welches sich keine 100 Meter von dem Restaurant entfernt am Strand abspielt. Jeden Abend treffen sich hier zum Sonnenuntergang Menschen die auf Trommeln spielen sowie ein Artist der Allerlei spannende Dinge mit Fackeln und Feuertöpfen macht. Wer hier wen begleitet oder untermalt, kann man sich aussuchen. Nachdem der Hut herumging, verließen wir den kühler werdenden Strand und machten uns mit dem Auto wieder auf in unsere auf 326 Metern gelegene Hütte.

Auch dies war ein ausgesprochen guter Tag. (Mal abgesehen von den Bauarbeitern auf dem Nachbargrundstück.)

Das Netbook das tapfer sämtliche Reisen bislang überlebt hat, fängt so langsam an sich zu verabschieden. Laden ist nur noch sporadisch möglich und ich rechne bald täglich damit das ich es nicht mehr nutzen kann. Sollte also plötzlich kein Bericht mehr folgen, dann kann es durchaus den banalen Grund haben das die Technik versagt hat.

El Drago De Agalan

Wer nun Fabelwesen oder Drachenartige Echsen erwartet, den muss ich leider enttäuschen. Aber fangen wir den Tag von vorne an. Das frühe Aufstehen scheiterte bereits um satte zwei Stunden. Es lag vermutlich an den Lavendel Blüten die ich unter dem Kopfkissen deponiert hatte. Es riecht hier halt viel intensiver als zu Hause.

Nach eine späten Frühstück und dem Verpacken der Geräte, machten wir uns mit dem Wagen aus dem Valle Gran Rey in Richtung Norden auf. Über Arure ging es zunächst bis Los Barranquillos. Ab hier ging es quer durch den Nebel des Lorbeerwaldes im Garajonay Nationalpark. Der Nebel war sehr dicht und die Sichtweiten fielen teilweise auf unter 50 Meter. Auch die Temperaturen fielen: acht Grad war der Teifststand dieses Tages. Die Straße schlängelte sich in einem stetigen Wechsel von Links- und Rechtskurven auf einem Niveau von etwas über eintausend Metern über NN. Kurz hinter dem Alto De Garajonay (1487 Meter) führte uns die Straße bei Pajarito gen Süden. Direkt in das trockenste Gebiet von la Gomera. Schon bei der Abfahrt merkte man das es anders war als im heimischen Valle Gran Rey. Der erste Stop erfolgte allerdings schon bei Imada, welches sich noch in einer Höhe von über 800 Metern befindet.

Bei Imada angekommen merkte man schnell das man nicht der einzige war der an diesem schönen Sonntag gern ein wenig durch die Botanik schlendern wollte. Apropos schlendern. Dies ist eher unsere Fortbewegungsart, sofern man den Zeitangaben der Wanderführer glauben schenken darf. Eine ambitionierte Tour hört nach der Ansicht der Autoren erst dann auf wenn man blutige Füße hat. Vielleich sind diese Wanderführer auch einfach nicht führ Norddeutsche geschrieben?!

Wir bewegten uns also ein wenig die Straße aufwärts zu dem Beginn des Weges zum El Drago. Ein zirka achtzig Zentimeter breiter Steinpfad, welcher aus groben Geröll sehr schön gelegt war. Zumindest am Anfang. Später sollten Stufen folgen, die offensichtlich für Menschen ab 185cm Körpergröße konzipiert waren. Dennoch war der Abstieg recht angenehm. Kanarischer Hafer, Opuntien, weißer Natternkopf und viele andere schöne blühende Pflanzen säumten den Weg. Einige Höhenmeter später konnte man ihn sehen: El Drago (Dracena draco). Die Schrittfolge nahm an Tempo zu und man versuchte schneller zu dem Ziel zu gelangen. Nach jeder Haarnadelkurve des Pfades dachte man sich: gleich bin ich da. Einer der täglichen Irrglauben denen man verfällt wenn man hier zu Fuß unterwegs ist. Einige Kurven später stand man dann vor ihm. Ein mächtiger großer, stattlicher, gesunder und wunderschöner Baum. Man schätzt das er 13 bis 14 menschliche Generationen überlebt hat. Das wären über 400 Jahre. Dies und auch das massive Vertrauen in die menschliche Vernunft dürfte der Grund gewesen sein warum man dieses Wunderwerk der Natur eingezäunt hat und ihm, fast schon respektvoll, ein Plateau gemauert hat, von dem aus der kurzlebige Mensch diesen altehrwürdigen Baum bestaunen darf. Es folgten unzählige Fotos. Unterschiedliche Himmelsrichtungen, verschiedene Einstellungen der Kamera, mit allen verfügbaren Kameras. Man mag es verrückt nennen, aber irgendwie sind solch alten Pflanzen auf ihre eigene Weise faszinierend.

Nachdem man sich dabei ertappte in eine Art Fotorausch zu verfallen, stellte man lieber, bevor es jemand merkte, das fotografieren ein. Wir zogen davon und ließen El Drago hinter uns – in der Hoffung das er noch viele Jahre dort stehen bleiben wird.

Der Hunger nagte und Durst war ebenfalls ein großes Thema. Wir wollten einen angemessenen Ort für eine Pause und schlugen den Rückweg zum Wagen ein. Auf dem Weg entdeckte man weitere Kostbarkeiten wie zum Beispiel das blühende stattliche Aeonium (Aeonium appendiculatum). Es heißt auf deutsch wirklich so und ich muss zugeben das es der Pflanze gerecht wird, der Name aber nicht wirklich glücklich gewählt ist. Mit einer Größe, inklusive Blütenstand, von ungefähr fünfzig Zentimetern ist es in der Tat recht stattlich und zudem auch wunderschön.

Als wir uns „endlich“ von den botanischen Kostbarkeiten getrennt hatten, folgten wir meinem Vorschlag und fuhren weiter. Vorbei an Alajero in Richtung Playa Santiago – direkt an den Atlantik. Unzählige Kurven führten uns durch ein scheinbar vertrocknetes Tal.

Unten angekommen waren es auf Meeresniveau schließlich knapp über dreißig Grad. Eine Parkbank direkt am Strand, zwischen der Marina und der Promenade, sollte für ein Mittagessen herhalten. Wasser, ein Nussmix und Müslibrötchen vom deutschen Bäcker aus Vueltas ergaben mitsamt dem fantastischen Ausblick, der Temperatur und der salzigen Seeluft eine perfekte Mittagszeit.

In Anbtracht der Lage das mehr als eine Stunde Rückweg vor uns liegen sollte, machte wir uns relativ zeitnah wieder auf den Weg und passierten dabei den einzigen Flughafen der Insel. Hier landen Propeller Maschinen von dem Flughafen Tenerifa Nord.

Mit den Gedanken noch nicht einmal vom Strand gelöst, stand kurz hinter Playa Santiago ein Mann, der seinen Daumen heraushielt. Wir hörten hin und wieder davon das Menschen hier so reisen und nahmen ihn kurzentschlossen mit. Frei nach dem Motto: Jeden Tag eine gute Tat! Es stellte sich heraus das er seit dreißig Jahren hierher kam und ständig Ausflüge machte ohne den Rückweg akribisch zu planen. Bus oder per Anhalter, irgendetwas sollte schon klappen.

Es gab zahlreiche Informationen zu der Insel und ihrem Verlauf über die letzten drei Jahrzehnte. Die Zeit bis nach Valle Gran Rey verflog wie im Flug und selbst der Regen zwischendurch sowie der noch dichtere Nebel machten die Unterhaltungen noch spannender, da diese Dinge immer gleich mit in die Unterhaltungen einfloßen.

Unser Mitreisende sollte nach La Playa und deshalb machten wir einen kleinen Umweg und brachten Ihn nach Hause. Immerhin erzählte er uns das er in den letzten dreißig Jahren noch nicht einmal zu spät zum Essen gekommen wäre.

Zu Hause angekommen waren wir wir freudig überrascht und glücklich wie gehaltvoll dieser Tag wieder gewesen ist und wie der tag mal wieder durch Unerwartetes bereichert wurde. Zur Belohnung gab es ein Malzbier und ein ökologisch total unsinniges aber leckeres Leffe Bier aus Belgien zum Essen.

Ein guter Tag!

Wasserfall bei El Guro

Auf dem Plan stand nach dem ausgedehnten Frühstück ein wenig Hausputz, Wäsche waschen und das sichern der bislang produzierten Bilddaten.

Anschließend machte sich der CaZ auf alleinige Wandertour zu dem Wasserfall bei El Guro. Ein etwas nördlicherer Eingang entpuppte sich als günstig. Kurz über El Guro konnte man zwischen den Wohnhäusern hindurch zu dem kleinen Bachlauf gelangen. Diesem musste man nur folgen und man kommt so automatisch zu dem besagten Wasserfall. Der Weg liegt angenehm im Halbschatten und ist, von einigen kleinen Ausnahmen abgesehen, gut zu bewältigen. Allerlei Insekten, Vögel und auch Echsen tummeln sich hier. Die feuchte Umgebung scheint allen gut zu gefallen. Für mich war leider nach 3/4 der Strecke der Weg zu Ende. Vor mir lagen größere Felsbrocken an denen ein blauer Strick mit einigen Knoten herunterbaumelte. Die Chucks an meinen Füßen und die Vernunft verboten mir diesen verlockenden Weg. Basalt und Lavabrocken sind in Verbindung mit Chucks und Wasser keine gute Idee.

Der Weg zurück war nicht weniger interessant. Zu den Highlights gehörten einige Vögel, eine Feuerlibelle, Kanarische Säulenwolfsmilch (Überraschung: Euphorbia canariensis) und ein Senecio (ehemals Kleinia). Die Senecio war sogar mit Blüten bestückt.

Es war zwar eine gute Idee nicht zu viel mitzuschleppen, ein wenig Wasser hätte mich aber schon glücklich gemacht. Der Weg zurück führte halt wieder entlang der Hauptstraße bis nach Lomo Del Moral. Leicht ausgetrocknet, aber zufrieden.

Einfach in das Bild klicken, Mauszeiger links klicken, festhalten und umsehen:

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Das Abendessen beim Libanesen in Vueltas sowie ein wenig Shopping beendeten den Tag. Zu Hause angekommen gab es noch einen einheimischen Vino und parallel einige Versuche den Tarentola gomerensis abzulichten ohne ihn dabei mit einem Blitzlich erblinden zu lassen. Die Versuche werden in den nächsten Tagen wiederholt. 😉

Durch den Garajonay

Ein Tag der mit Baulärm beginnt, fühlt sich derzeit an wie ein Szene aus „Täglich grüßt das Murmeltier“. Diesmal kein Gehämmer sondern das „zarte“ festklopfen der Mauersteine. Nun gut, ändern kann man es offensichtlich nicht mehr, also das übliche Prozedere: Frühstücken und dann mit dem Auto schöne Orte aufsuchen. Davon gibt es hier reichlich.

Der am Abend vorher diskutierte grobe Entwurf sah folgendens vor: nach Norden in Richtung Garajonay Nationalpark. Sehr witzig eigentlich wenn man bedenkt das aus unserem nur dieser eine Weg möglich ist. Ich wollte aber gern einmal die einzige Straße, die quer durch den Park führt, fahren. Im Nebel durch den Lorberwald. Vorbei an sehr viel Grün, behangen mit gespenstisch aussehenden Flechten. Schaurig schön und eine komplett andere Welt als die Beachboy Strandidylle eintausendmeter tiefer gelegen an der West- und Südküste. Der Weg führte aus dem Valle Gran Rey heraus in Richtung Arure. Bei Los Barranquillos bogen wir in Richtung Inselmitte nach recht ab und nach gefühlten dreitausend Kurven ging es fast in der Mitte der Insel nordwärts nach Juego De Bolas. Hier befindet sich eine Art Botanischer Garten mit viel interessanten Informationen rund um die Entstehungsgeschichte der Insel, die Klimaverhältnisse und Überraschung: die Flora von La Gomera. Die Flora betreffend gab es hier eine Vielzahl der Pflanzen zu sehen. Alle waren mit Schildern versehen und alles sah sehr gepflegt aus. Die Fülle an klassischen Steingartengewächsen hat uns ein wenig überfordert. Nach einem warmen Tee (es war recht kühl) ging es wieder auf den Rückweg. Diesmal aber nicht die gleiche Strecke sondern über Vallehermoso, einen der größeren Orte auf der Insel. Die Fahrt war wieder mit Miradoren gespickt und die Anzahl der Kurven kaum noch zählbar.

Eine 360 Grad Ansicht die von Vallehermoso auf dem Rückweg entstanden ist. Einfach in das Bild klicken, Mauszeiger links klicken, festhalten und umsehen:

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Der Tag  endete mit einem Einkauf bei unserem Supermercado des Vertrauens: Supermercado Lomo Del Moral. Der Mann der täglich dort die Kundschaft bedient spürte unseren Willen die Einkäufe stets in der Landessprache zu vollziehen. An der Gemüsetheke gab es deshalb noch eine kleine Lektion für die Früchte des Landes in Spanisch. Dies sind die Momente die solche Reisen immer wieder spannend machen.

Weitere Pläne gibt es noch nicht für Morgen. Bislang existiert nur die Idee Los Organos im Norden zu besuchen.

Lava, Bims & Euphorbien

Der Tag fing mit einer guten Nachricht an. Die Arbeiten am Nachbarhaus werden vertagt und wir können weiterhin den Urlaub genießen. Dies taten wir dann auch. Es sollte eine Tour werden die in den Wanderführern allerdings ein wenig anders beschrieben ist. Bei La Calera sollte man bis La Merica etwa sechshundert Meter erklimmen um dann auf dem Bergrücken, der das Valle Gran Rey nördlich einfasst, bis Arure entlang zu wandern.

Dies haben wir uns erspart, da es ja immerhin ein Urlaub und keine Expedition ist. Im übrigen sind die Beschreibungen der Wanderführer mitunter auch nicht immer ganz ernst zu nehmen. Wenn dort steht „mittelschwer“, dann sollten wir es nicht angehen, da es oft mit Kraxelei der übelsten Sorte verbunden ist. Wir nahmen also den Wagen bis Arure und schossen aufgrund eines argen Parkplatzmangels über das Ziel hinaus bis zum Mirador De Alojera. Hier kehrten wir dann wieder um und versuchten am Einstiegspunkt erneut unser Glück. Diesmal Erfolgreich.

Der Grund hierfür war ein relativ gerader und horizontaler Streckenverlauf auf ungefähr achthundert Metern. Die gleiche Strecke sollte es später wieder zurückgehen. Der erste Stop war der Mirador Del Santo. Wiedereinmal ein baulich aufgepeppter Ausblick auf das Örtchen Tagaluche. Man sah das Meer, Felshänge und eine unglaublich schöne Landschaft die weder mit Worten noch mit Bildern darstellbar wäre. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt noch stabil, warm und mit dem leichten Wind aus Nordost sehr gut zum Wandern geeignet. An dieser Stelle sei vielleicht noch erwähnt das unsere Fortbewegungsart nicht wirklich als Wandern zu bezeichnen ist. Wenn der Wanderführer eine Zeit angiebt, dann ist bei uns eigentlich der doppelte Zeitraum von nöten. Unsere, nennen wir es mal Bummelei mit Fotoambitionen, sollte bis kurz vor La Merica führen. Die Aufmerksamkeit wurde stetig auf angenehme Weise von den Blickfängen aus unserem Interessengebieten verzögert: Geologie und Pflanzen.

Hier aber erst einmal ein kleiner Ausblick auf das Gelände:

Schroffe Felsformationen aus den unterschiedlichsten Materialien und Entstehungsprozessen der Insel säumten den Weg. Erstarrte Lavagänge, eisenhaltige Adern und auch Bims, der sich ebenfalls in breiten Adern teilweise entlang des Weges zog. Interessant waren vor allem die offensichtlich unterschiedlich erkalteten Lavaformationen mit den unterschiedlichsten Einschlüssen. Hier verhielt es sich aber ähnlich wie mit den Pflanzen: offensichtlich waren wir die einzigen die dieses „Gerümpel“ fotografierten, anfassten und genau betrachteten. Der eine oder andere mag uns für unnormal gehalten haben, aber dies ist zum Glück auf dieser Insel ein häufiges Phänomen: unnormal sein!

Der Weg auf dem Hochplateau führte uns ebenso an diversen Ziegen vorbei. Ziegenhirten betreuten und versorgten hier ihre Tiere und im nahegelegenen Ort wurde aus der rohen Milch der Ziegen später auch noch ein Käse gefertigt. Hier gibt es aber bislang noch keine Erfahrungswerte was den Verzehr angeht. Neben den Ziegen fielen noch kleinere Greifvögel, größere schwarze Ameisen und kleine hübsch gemusterte Grashüpfer auf. Ansonsten war die Tierwelt hier oben recht überschaubar.

Ein weiterer sehr atemberaubender Teil der Landschaft entfiel auf die Pflanzen dieser Gegend. Kanarenkiefer, wilde Artischocken, Euphorbienbüsche (E. berthelotii), Kanarenhafer, zweifarbige Ringelblumen, Tüpfelstern, Greenovia. Dies waren nur einige der Arten die wir zumindest bestimmen konnten. Besonders erwähnenswert waren die grünen Euphorbien die über die gesamte Hochebene verteilt waren. Eine Farbe die für einen eine große Faszination ausübte. Einfach hinsetzen und genießen. Das war zumindest das was wir am Wendepunkt der Tour taten.

Der Weg zurück sollte deutlich schneller vonstatten gehen. Es wurde schnell kühl und über Arure schoben sich bedrohlich wirkende schwargraue Wolken über die Berge. Glücklicher weise kamen wir trocken bis nach Hause. Nicht einmal eine halbe Stunde wieder zu Hause, regnete es in Strömen.

Mittlerweile sind die Akkus wieder geladen und der nächste Tag kann kommen.