Lava, Bims & Euphorbien

Der Tag fing mit einer guten Nachricht an. Die Arbeiten am Nachbarhaus werden vertagt und wir können weiterhin den Urlaub genießen. Dies taten wir dann auch. Es sollte eine Tour werden die in den Wanderführern allerdings ein wenig anders beschrieben ist. Bei La Calera sollte man bis La Merica etwa sechshundert Meter erklimmen um dann auf dem Bergrücken, der das Valle Gran Rey nördlich einfasst, bis Arure entlang zu wandern.

Dies haben wir uns erspart, da es ja immerhin ein Urlaub und keine Expedition ist. Im übrigen sind die Beschreibungen der Wanderführer mitunter auch nicht immer ganz ernst zu nehmen. Wenn dort steht „mittelschwer“, dann sollten wir es nicht angehen, da es oft mit Kraxelei der übelsten Sorte verbunden ist. Wir nahmen also den Wagen bis Arure und schossen aufgrund eines argen Parkplatzmangels über das Ziel hinaus bis zum Mirador De Alojera. Hier kehrten wir dann wieder um und versuchten am Einstiegspunkt erneut unser Glück. Diesmal Erfolgreich.

Der Grund hierfür war ein relativ gerader und horizontaler Streckenverlauf auf ungefähr achthundert Metern. Die gleiche Strecke sollte es später wieder zurückgehen. Der erste Stop war der Mirador Del Santo. Wiedereinmal ein baulich aufgepeppter Ausblick auf das Örtchen Tagaluche. Man sah das Meer, Felshänge und eine unglaublich schöne Landschaft die weder mit Worten noch mit Bildern darstellbar wäre. Das Wetter war zu diesem Zeitpunkt noch stabil, warm und mit dem leichten Wind aus Nordost sehr gut zum Wandern geeignet. An dieser Stelle sei vielleicht noch erwähnt das unsere Fortbewegungsart nicht wirklich als Wandern zu bezeichnen ist. Wenn der Wanderführer eine Zeit angiebt, dann ist bei uns eigentlich der doppelte Zeitraum von nöten. Unsere, nennen wir es mal Bummelei mit Fotoambitionen, sollte bis kurz vor La Merica führen. Die Aufmerksamkeit wurde stetig auf angenehme Weise von den Blickfängen aus unserem Interessengebieten verzögert: Geologie und Pflanzen.

Hier aber erst einmal ein kleiner Ausblick auf das Gelände:

Schroffe Felsformationen aus den unterschiedlichsten Materialien und Entstehungsprozessen der Insel säumten den Weg. Erstarrte Lavagänge, eisenhaltige Adern und auch Bims, der sich ebenfalls in breiten Adern teilweise entlang des Weges zog. Interessant waren vor allem die offensichtlich unterschiedlich erkalteten Lavaformationen mit den unterschiedlichsten Einschlüssen. Hier verhielt es sich aber ähnlich wie mit den Pflanzen: offensichtlich waren wir die einzigen die dieses „Gerümpel“ fotografierten, anfassten und genau betrachteten. Der eine oder andere mag uns für unnormal gehalten haben, aber dies ist zum Glück auf dieser Insel ein häufiges Phänomen: unnormal sein!

Der Weg auf dem Hochplateau führte uns ebenso an diversen Ziegen vorbei. Ziegenhirten betreuten und versorgten hier ihre Tiere und im nahegelegenen Ort wurde aus der rohen Milch der Ziegen später auch noch ein Käse gefertigt. Hier gibt es aber bislang noch keine Erfahrungswerte was den Verzehr angeht. Neben den Ziegen fielen noch kleinere Greifvögel, größere schwarze Ameisen und kleine hübsch gemusterte Grashüpfer auf. Ansonsten war die Tierwelt hier oben recht überschaubar.

Ein weiterer sehr atemberaubender Teil der Landschaft entfiel auf die Pflanzen dieser Gegend. Kanarenkiefer, wilde Artischocken, Euphorbienbüsche (E. berthelotii), Kanarenhafer, zweifarbige Ringelblumen, Tüpfelstern, Greenovia. Dies waren nur einige der Arten die wir zumindest bestimmen konnten. Besonders erwähnenswert waren die grünen Euphorbien die über die gesamte Hochebene verteilt waren. Eine Farbe die für einen eine große Faszination ausübte. Einfach hinsetzen und genießen. Das war zumindest das was wir am Wendepunkt der Tour taten.

Der Weg zurück sollte deutlich schneller vonstatten gehen. Es wurde schnell kühl und über Arure schoben sich bedrohlich wirkende schwargraue Wolken über die Berge. Glücklicher weise kamen wir trocken bis nach Hause. Nicht einmal eine halbe Stunde wieder zu Hause, regnete es in Strömen.

Mittlerweile sind die Akkus wieder geladen und der nächste Tag kann kommen.

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