Der Tag startete mit einem ausgiebigem Frühstück mit Tomaten und den Brötchen eines deutschen Bäckers die wir gestern am Hafen gekauft hatte. Kurz vor dem Frühstück gab es aber noch ein erwähnenswertes Ereignis das uns das Abendessen sichern sollte. Lautes Gepläre und 90er Jahre Diskoklänge dröhnten durch das Tal und kamen immer näher. Nach kurzer Zeit lüftete sich das Geheimnis: ein Kühlwagen pries die Waren an. Es war frischer Fisch den man direkt aus dem Wagen heraus kaufen konnte. In diesem Fall war es Thunfisch. Sogleich wurden 900 Gramm für die eigene Versorgung gesichert. Der Preis entsprach der Hälfte dessen was man in Deutschland zahlen müsste. Die Qualität: absolute Spitze.
Hier ein kleiner Eindruck der lokalen Verkaufsstrategien:
Nch dem Frühstück sollte die erste bewußte Wanderung erfolgen. So richtig voll durchdacht war es nicht von Anfang an, aber wenigstens das Ziel war klar: das Töpferdorf El Cercado. Dies bedeutete einen Anstieg in nordöstliche Richtung in das äußerste Ende des Valle Gran Rey. Der Ort El Cercado liegt auf einer Höhe von 1000 Metern und somit galt es eine Differenz von ungefähr 700 Metern zu Fuß zu überwinden. Anfänglich war noch nicht klar wie dies funktioniert, da aus dem Tal heraus eigentlich fast keine Wege zu erkennen sind.
Wir starteten in Richtung La Vizcaina und verließen kurze Zeit später bereits die letzten Rudimente der Zivilisation.Laut Wanderführer hatten wir zumindest schon einmal das gefühlte Wissen was uns erwarten würde. Die Realität sieht vor Ort aber dann schon ein wenig anders aus. Steile Felsabhänge, felsige Wanderwege und ständiger Wechsel von warm zu kalt und von trocken zu feucht. Laut Wanderführer sollte es eine einfache Strecke sein und eine Tauglichkeit war angeblich sogar für Kinder ab zehn Jahren gegeben. Wir stellten uns zwischendurch immer wieder vor wie ein Zehnjähriger hier die Wege mit Stufen die vermutlich bis zu seinem Knie gehen würden, meistern sollte. Vermutlich war hier eine Zehnjähriger gemeint der seine Wurzeln in der lokalen Bevölkerung hat.
Der Wendepunkt der Wanderung war die Bar Maria. Es ist offensichtlich ein gut besuchter Anlaufpunkt für die vielen Wanderer die hier in den Bergen unterwegs sind. Nach einer kurzen Stärkung mit einem Te negro und einem wälzen der Karten, fassten wir den Entschluss ein wenig gen Norden zu laufen um dann die nördliche Seite des Tals in Angriff zu nehmen. Dies stellte sich als gute Idee heraus, da die Vegetation hier einen anderen Anblick bot als auf der anderen Seite. Der Grad der Anstrengung war aber dennoch aus unserer Sicht recht hoch. Der Wind war zwar schon deutlich weniger aber dafür waren beim Abstieg die gesetzten Steine zum Teil recht groß. Schon beim laufen wurde klar das am nächsten Tag der eine oder andere Muskel sich melden würde.
Die Pflanzen und auch der Ausblick waren unbeschreiblich schön. Euphorbien, diverse Sukkulenten und schöne blühende Margeritten Büsche ließen einen die Strapatzen der Kraxelei teilweise vergessen.
Ein Großteil der Flora entfiel auf Agaven, unmengen an Opuntien und auch mexikanischen Dost. Alles nicht einheimische Pflanzen die sich bereits sehr stark ausgebreitet haben. Ein schöner Anblick der einen aber auch zum nachdenken bringt. Der Mensch hat der Insel keinen großen Gefallen getan, zumal vieles der einheimischen Flora verdrängt wird. Den meisten Inselbesuchern ist dies aber wahrscheinlich nicht einmal bewußt.

Der Abstieg dauerte ebenso wie bereits der Aufstieg länger als im Wanderführer beschrieben und auch länger als selbst erwartet. Dies war natürlich auch dem eigenen Interesse an Pflanzen geschuldet, da man natürlich alles neu entdeckte mit Begeisterung aufnahm und selbstverständlich auch digital dokumentieren musste. Die Menge an Bildern die gemacht wurde war recht groß und wir stellten damit wohl auch eher eine Ausnahme dar. Die meisten Wanderer interessierten sich primär doch eher für die Landschaft, den Weg und das Grün an sich, nicht aber für die Pflanzen und schon gar nicht für einzelne Gattungen und Arten.
Nach über sechs Stunden erreichten wir wieder unser heimisches Domizil. Die Waden waren schon überfordert aber ein Gang zum Supermercado war erforderlich: Ein Hefeweizen als Belohnung und eine Paprika für das Abendessen mussten noch besorgt werden.
Das Abendessen rundete den Tag ab und nebst La Gomera Kartoffeln gab es ein Tuna Ragout mit viel Knoblauch und leckeren Tomaten.