Der Tag startete mit einer entspannten Fahrt von Tupiza in Richtung Tarija. Es war eine Straße unter anderem aus einer 100 Kilometer langen Schotterpiste bestand und uns über einen Pass von über 4200 Metern führen sollte. Das Ziel: die Weinregion Boliviens auf 1800 Metern. Auf den ersten Kilometern haben wir übrigens noch einen Bolivianer mitgenommen. Er stand auf der Ladefläche und hätte ohne uns einen Fussweg von zwei Stunden zur Arbeit gehabt. Anschließend ging es dann weiter ohne Passagier.
Unterwegs kam ich später auf die Idee nach einem Stop zu fragen. Aus dem fahrenden Wagen heraus sah ich kugelförmige Kakteen und ich vermutete irgendetwas was zur Gattung Parodia gehörte. Der Fotostop auf 3837 Metern war so nicht geplant und brachte so einige Überraschungen mit sich. Es gab mindestens zwei verschiedene Rebutien mit Blüten (orange und rot) sowie Lobivias mit gelben Blüten und fantastische üppige grüne Azorella Polster. Weitere Highlights waren Austrocylindropuntia schafferi (rot) und Parodia massii. Die Parodia massii waren offensichtlich aber bereits von humanoiden Zweibeinern heimgesucht worden. Die Scheitelwolle war zerwühlt und alles deutete auf eine Ernte der Samen hin. Auf die Frage hin wie dieser Ort heißen würde, schlug Willy Cay-Mountain vor. Es erfüllte mich mit Stolz, wird aber wohl nicht in den Geschichtsbüchern niedergeschrieben werden. 😉
Der nächste planmäßige Stop führte uns zu Weingartia cintiensis. Prächtige große Pflanzen mit Früchten und gelben Blüten. Inmitten von rotem Fels und daraus entstandenen feinen Staub waren die Pflanzen relativ leicht zugänglich. Lediglich die Temperaturen von über 35 Grad pressten einem die letzte Flüssigkeit aus den Poren und ließen recht schnell die Kräfte schwinden. Eine Stärkung für 20 Bolivianos gab es anschließend in El Puente. Umgerechnet 2,50 Euro sind nicht wirklich viel wenn man bedenkt das jemand bei dieser Hitze alles mit Liebe zubereitet.
Bei so viel Schönem lechzte unser Auto wahrscheinlich auch nach Aufmerksamkeit. Sie, oder Es, entschloss sich von nun an die Horsepower durch Hamsterpower zu ersetzen. Nun ging es also die Berge mit 20 Kilometer pro Stunde bergauf…oder auch nicht. Manchmal passierte halt auch nichts oder es kam ein glucksen und ploppen aus dem Auspufftopf. El Puente hatten wir schon knapp 15 Kilometer hinter uns gelassen. Die Idee: erst einmal die Motorhaube öffnen und sehen was dort so auffällig ist. Die Idee das es vielleicht am Luftfilter liegen könnte, brachte uns dazu diesen auszubauen und die darin enthaltene Sandkiste zu leeren. Die Besserung war mäßig und der Abenteuerfaktor groß. ADAC gibt es hier nicht. Wir fuhren also wieder zurück nach El Puente zu einer Werkstatt. Der einzigen im Ort. Der Mechanico pustete mit Druckluft den Luftfilter sauber, bekam 10 BOB und weiter ging es – mit dem gleichen Problem wie zuvor. Erst vierzig Kilometer vor Tarija quälte sich die alte Dame mit dem 5 Liter Motor und stellte uns wieder stetig mehr Leistung zu Verfügung. Die Sorge mitten im Nichts stehen zu bleiben fuhr mit.
Später als erhofft kamen wir dann doch in Tarija an. Nebenbei bemerkt mit einem leeren Tank. Danach das Übliche: Agua sin gas kaufen, Daten sichern, Essen gehen und danach im Bett kollabieren. Direkt an der Hauptstraße wird es dann wohl eher wenig erholsam ausfallen. Um dies morgen zu kompensieren wurde schon einmal der Entschluss gefasst einen hiesigen Wein zu verkosten.
