Archiv des Monats: November 2015

Rebutia, Azorella & das Auto

Der Tag startete mit einer entspannten Fahrt von Tupiza in Richtung Tarija. Es war eine Straße unter anderem aus einer 100 Kilometer langen Schotterpiste bestand und uns über einen Pass von über 4200 Metern führen sollte.  Das Ziel: die Weinregion Boliviens auf 1800 Metern. Auf den ersten Kilometern haben wir übrigens noch einen Bolivianer mitgenommen. Er stand auf der Ladefläche und hätte ohne uns einen Fussweg von zwei Stunden zur Arbeit gehabt. Anschließend ging es dann weiter ohne Passagier.

Unterwegs kam ich später auf die Idee nach einem Stop zu fragen. Aus dem fahrenden Wagen heraus sah ich kugelförmige Kakteen und ich vermutete irgendetwas was zur Gattung Parodia gehörte. Der Fotostop auf 3837 Metern war so nicht geplant und brachte so einige Überraschungen mit sich. Es gab mindestens zwei verschiedene Rebutien mit Blüten (orange und rot) sowie Lobivias mit gelben Blüten und fantastische üppige grüne Azorella Polster. Weitere Highlights waren Austrocylindropuntia schafferi (rot) und Parodia massii. Die Parodia massii waren offensichtlich aber bereits von humanoiden Zweibeinern heimgesucht worden. Die Scheitelwolle war zerwühlt und alles deutete auf eine Ernte der Samen hin. Auf die Frage hin wie dieser Ort heißen würde, schlug Willy Cay-Mountain vor. Es erfüllte mich mit Stolz, wird aber wohl nicht in den Geschichtsbüchern niedergeschrieben werden. 😉

Der nächste planmäßige Stop führte uns zu Weingartia cintiensis. Prächtige große Pflanzen mit Früchten und gelben Blüten. Inmitten von rotem Fels und daraus entstandenen feinen Staub waren die Pflanzen relativ leicht zugänglich. Lediglich die Temperaturen von über 35 Grad pressten einem die letzte Flüssigkeit aus den Poren und ließen recht schnell die Kräfte schwinden. Eine Stärkung für 20 Bolivianos gab es anschließend in El Puente. Umgerechnet 2,50 Euro sind nicht wirklich viel wenn man bedenkt das jemand bei dieser Hitze alles mit Liebe zubereitet.

Bei so viel Schönem lechzte unser Auto wahrscheinlich auch nach Aufmerksamkeit. Sie, oder Es, entschloss sich von nun an die Horsepower durch Hamsterpower zu ersetzen. Nun ging es also die Berge mit 20 Kilometer pro Stunde bergauf…oder auch nicht. Manchmal passierte halt auch nichts oder es kam ein glucksen und ploppen aus dem Auspufftopf. El Puente hatten wir schon knapp 15 Kilometer hinter uns gelassen. Die Idee: erst einmal die Motorhaube öffnen und sehen was dort so auffällig ist. Die Idee das es vielleicht am Luftfilter liegen könnte, brachte uns dazu diesen auszubauen und die darin enthaltene Sandkiste zu  leeren. Die Besserung war mäßig und der Abenteuerfaktor groß. ADAC gibt es hier nicht. Wir fuhren also wieder zurück nach El Puente zu einer Werkstatt. Der einzigen im Ort. Der Mechanico pustete mit Druckluft den Luftfilter sauber, bekam 10 BOB und weiter ging es – mit dem gleichen Problem wie zuvor. Erst vierzig Kilometer vor Tarija quälte sich die alte Dame mit dem 5 Liter Motor und stellte uns wieder stetig mehr Leistung zu Verfügung. Die Sorge mitten im Nichts stehen zu bleiben fuhr mit.

Später als erhofft kamen wir dann doch in Tarija an. Nebenbei bemerkt mit einem leeren Tank. Danach das Übliche: Agua sin gas kaufen, Daten sichern, Essen gehen und danach im Bett kollabieren. Direkt an der Hauptstraße wird es dann wohl eher wenig erholsam ausfallen. Um dies morgen zu kompensieren wurde schon einmal der Entschluss gefasst einen hiesigen Wein zu verkosten.

Tupiza und „Umgebung“

Heute tummelten wir uns in der „Nähe“ von Tupiza. Für den Nachmittag ist es soweit richtig, am Vormittag waren wir an der argentinischen Grenze im Südwesten in der Nähe von Villazon. Es gab Weingartia neumannia zu sehen und mit ein wenig Glück auch Knospen und Früchte an diesen tief in den Boden zurückgezogenen Pflanzen. Es war extrem trocken und die Pflanzen waren zum Teil nur noch an den erhabenen Dornen zu finden. Es war extrem heiß, windig und staubig. Egal – es war ein Erlebnis. (Habe mir gerade während des Schreibens eine Flasche Bier bestellt und mit 2 BOB dem Kellner ein Lächeln in das Gesicht gezaubert. 1 Liter Huari = 15 BOB! Sorry, bin ein wenig dehydriert. :-))

Mittag gab es in Tupiza. Wie der Ortsname vermuten läßt gab es Pizza. (Kleiner Scherz des Autors) In der Tat gibt es viele Läden die auf Touristen ausgerichtet sind. Tupizza ist DER Ausgangsort für Touren zu dem Salar de Uyuni – dem weltweit größten Salzsee. Erst heute Morgen sind einige Jeeps mit haufenweise Zeugs auf dem Dach aufgebrochen.

Der Nachmittag fand fast noch im Stadtgebiet statt. Erst ging es an einen Blossfeldiafelsen. Auch hier waren die Pflanzen extrem wegen der Trockenheit geschrumpft. Auch die hier vorkommenden Parodia maassii waren extrem bedornt und nicht so üppig wie in der Nähe von La Quiaca auf der argentinischen Seite. Beide Arten hatten auch Früchte.

Der letzte Stop führte uns zu einem Vorkommen von Weingartia kargliana. Fantastische Pflanzen mit kräftiger dichter Bedornung. Das einzig unschöne: die Pflanzen wachsen an einem Hang mit Quarzgeröll. Optisch sehr schön. Für jemanden wie mich extrem blöd. Mir fehlen leider die Gene einer Bergziege.

Der Tag war ansonsten sehr kurz. Dies ist soweit nicht tragisch, da die Touren von einem Ort zum nächsten doch teilweise recht anstrengend sind. Hier, bei knapp 3000 Metern, kann man auch wieder relativ gut atmen.

Um halb acht gibt es dann wieder das obligatorische Abendessen mit Willy. Bei all den netten Läden ist es glücklicherweise nicht so schlimm ein gutes Restaurant zu finden wie in Potosi.

Das tägliche Sichern der Bilder ist auch bereits abgeschlossen. Es wäre zu vermuten das ich mir über die weitere Lagerung dieser mittlerweile abartigen Datenmengen noch Gedanken machen muss. Aber so ist es eben wenn man eine Reise macht von der man vorher weiß das es etwas Einmaliges sein könnte. Es ist selbstgemachtes Leid. Welcher Dussel rennt auch schon mit einer Videokamera und drei Fotoapparaten am Hals bei über 30 Grad in der Mittagssonne herum.

Noch ein Wort zum morgigen Tag. Der Plan: auf nach Tarija. Ein „wenig“ Rough-Road (Ein Griff in die Pharmakiste wird hier wohl nötig sein.) und viele Kakteen.

Im Oreocereus-Wald

Der Tag sollte mit einer Abfahrt in das tiefergelegene Tupiza entspannt starten. Die Richtung stimmte nur mit der Entspannung sollte es nicht klappen. Ein Auto-bezogenes Event kam einmal wieder dazwischen. Kurz hinter Potosi hielt uns die Polizei an und behauptete das wir zu schnell gewesen wären. Das war so nicht richtig, aber darum ging es offensichtlich auch nicht. Wenn es heißt „Wir Bolivianer werden in Argentinien auch schlecht behandelt.“ dann ist einem schon klar woher der Wind weht. Es ging um Geld – nichts weiter. Lautstarke Diskussionen und die Androhung das wir nach Potosi gebracht werden würden gingen einer stattlichen Geldzahlung von 200 Bolivianos vorraus. Ungerecht und absolut unschön. Aber was will man machen? Noch mehr diskutieren? Lieber nicht.

Der Rest des Tages war dafür um so schöner. Unglaubliche Landschaften die es einen fast vergessen ließen die Kamera in die Hand zu nehmen und eine unglaubliche Fülle an Kakteen. Das Besondere Heute: atemberaubende Wälder mit Oreocereus und Trichocereus Kakteen. Auch hier darf ich wieder einmal sagen: Die Bilder sprechen für sich…immerhin ist es schon spät 😉

Mittlerweile in Tupiza angekommen, wurden wieder Pläne für den nächsten Tag geschmiedet und ein fantastisches Abendmahl eingenommen. Morgen geht es in Richtung Villazon an der argentinischen Grenze. Es erwarten uns Blossfeldien und andere Schönheiten. Einzig das Wetter könnte uns einen Strich durch die Rechnung machen. Seit geraumer Zeit hat es nicht mehr geregnet und das bedeutet das die Pflanzen teilweise komplett in der Erde verschwunden sind. Mit ein wenig Glück helfen uns die dazugehörigen Blüten auf die Sprünge.

 

Oruro nach Potosi

Die Abfahrt aus Oruro klappte besser als die Anreise. Zumindest bis zur Tankstelle. Der schöne Monster Truck wollte nicht mehr starten. Als ob defekte Bremsen nicht schon reichen würden. Nach ein wenig geruckel an den Batterienkabel piepste erst ein nerviger Alarm und dann wollte die blaue Wundermaschine auch wieder starten.

Der Weg sollte uns nun nach Potosi führen. Auch wenn es nur knapp 300km sind, ist es doch nicht ohne Weiteres möglich so zu fahren wie man es in Deutschland gewohnt ist. Nur zwei Stops waren eingeplant. Die hatten es aber auch in sich. Jeder der beiden Standorte bot eine unglaubliche Diversität an Pflanzen. Die Bilder sprechen für sich.

Zu erwähnen sei nur das wir nach diversen Kilometern anhalten mussten. Es roch verbrannt. Irgendwie hatte sich die Feststellbremse verhakt und schmorrte nun vor sich hin. Somit kamen wir zu einem dritten Stop noch vor den anderen beiden. Da wir abwarten mussten bis sich alles wieder abkühlte, suchten wir nach Kakteen. Wunderschöne Lobivia pentlandii wuchsen hier und sogar eine in voller Blüte. Es scheint so als ob unser Auto uns wie ein Trüffelschwein zu den Kakteen führt.

Nach all dem Geknipse von Kakteen und den atemberaubenden Landschaften, kamen wir am späten Nachmittag in Potosi an. Eine Bergbaustadt die eher weniger aufregend als Oruro zu beschreiben wäre. Dennoch – das Hotel ist schick, der Wagen parkt sicher im Innenhof und Essen waren wir nun auch schon. Letzteres war eher als dürftig zu bezeichnen. Ich denke das es angemessen wäre morgen mal wieder etwas anständiges zu essen. Nun aber ersteinmal schlafen und sich seelisch auf die 2 Grad morgen früh vorbereiten.