Der Tag fing mit einem entspannten Frühstück im Hotel an. Extrem trockenes Brot-Imitat, Möchtegern-Kaffee und dazu ein wenig Fruchtiges. Nach dem opulenten Mahl ging es mal wieder „on the Road again“. Da es keine Tour zu einer nächsten Stadt war, sondern ein Tarija Tag werden sollte, stand heute die nähere Umgebung auf dem Plan. Also irgendetwas im Umkreis von 50 Kilometern.
Die erste Tour führte uns in Richtung E. mammellosa, Cleistocactus hyalacanthus (mit Blüten), C. hankianus, T. cauleszens und O. salmiana. Es bot sich zudem ein toller Anblick. Die Stadt Tarija lag am Fusse des Berges auf dem wir standen. Alles soweit in Ordnung. Prima Pflanzen, Wetter gut (nur ein wenig sehr kühl) und eine Spitzenaussicht.
Es folgte ein weiterer Berg. Hier war es nicht mehr so nett. Der Aggragatzustand des Wassers in der Luft war irgendetwas zwischen Nebel und Schwimmhalle. Die Sichtweiten waren teilweise unter 20 Meter und alles war in kürzester Zeit klamm und nass. So ist es halt in den Bergen beziehungsweise in den Anden. Nur 100 Meter an Höhe können mitunter bedeuten das es hier rapide Wetterwechsel gibt. Eine Entschädigung für dieses Klima-Trauerspiel waren die dort vorkommenden und extrem schwierig zu findenden Rebutien. Wunderschöne Pflanzen die sich gern zwischen anderen Pflanzen verstecken und selbst zudem auch nur weniger als 1,5 cm an Durchmesser haben. Ebenfalls erwähnenswert die teils recht großen Lobivien mit den pupurfarbenen Blüten.
Eine kurze Verschnaufpause gab es dann bei den folgenden C. straussii (Drei Stops, unter anderem mit Ipomoea spec. und zwei weiteren unbekannten Rebutia Arten). Es waren Felswände die mit den grauen behaarten Cleistocactus straussii verziert waren. Ein wenig erinnerte es an einen Kirchenaltar. Erstaunlich hier war nur die extreme Feuchtigkeit und die beeindruckende Kälte. Hier und auch an dem vorherigen Standort war es vermutlich kälter als zur gleichen Zeit zu Hause.
Ein Essen sollte in Tarija für ein wenig Stärkung sorgen (nur 30 BOB) und etwas innerliche Wärme bringen. Da es auch äußerlich etwas gegen die Kälte geben musste, entschieden wir uns dafür noch einmal zum Hotel zu fahren und uns wärmere Bekleidung zu organisieren.
Der Nächste Nachmittagsstop sollte auf ca. 2700 Meter Sulcorebutia Arten mit sich bringen. Soweit kein Problem. Leider war es auch hier wie eine Mischung aus türkischem Dampfbad und Spitzbergen im Spätherbst. Sichtweiten von (mal wieder) unter 20 Metern. Es ist kaum vorstellbar. Man geht zwanzig Meter vom Auto weg, dreht sich drei bis viermal und schon ist die Orientierung dahin. Dazu kommen Temperaturen die man eigentlich nicht mit einem Südamerika Urlaub verbindet. Gefühlt waren es 3-5 Grad. Erschwerend kam noch hinzu das die anwesenden drei Kakteen-Verrückten mit dem Kopf auf den Boden gesenkt in unterschiedliche Richtung liefen und sich nach sehr (!) kurzer Zeit schon bereits aus den Augen verloren hatten. Tragisch komisch 😉 Erschwerend kam noch hinzu das Willy zwischendurch den Wagen umgeparkt hatte. Egal – es gab Pflanzen zu sehen, wir waren nass aber zufrieden. Hoffentlich hat uns niemand beobachtet.
Der letzte Stop des Tages wurde aus Klimatechnischen Gründen gestrichen. Der nächste Berg war einfach nicht mehr befahrbar und hätte uns zu viel Zeit gekostet. Versucht hatten wir es….immerhin die ersten Zehn Kilometer. Auf der Rückfahrt nach Tarija gab es dann noch eine merkwürdige Begegung mit der örtlichen Polizei. Ich glaube die wollte uns nicht filzen sondern nur Geld. Willy hatte es irgendwie mit Diplomatie wieder gerade gebogen. Spanisch wäre hier hilfreich gewesen um die Situation zu verstehen.
Nach diesem merkwürdigen Tag mitsamt den im Wasser stehenden Kakteen, ging es wieder einmal an das Sichern der Daten und die Reinigung der Klamotten und anderer Dinge. Bedingt durch die Trockenheit der letzten Wochen verteilte sich der lehmige Staub überall auf den Pflanzen. Dann kam der Regen und dann die komischen Menschen die durch das Gesträuch zu den Kakteen wollten. Ergo: Lehmgematsche an den Klamotten.
Den Abschluss fand der Tag in einem Grill-Lokal am Busbahnhof in Tarija. Ja ja, mal wieder eines der Dinge die man nicht tun sollte. Ich für meinen Teil hatte Spass daran, weil man hier viel vom Leben mitbekommt. …und irgendwie ist es auch wie jeder andere Busbahnhof in der Welt: keiner bringt einen um, es gibt was zu essen und irgendwie sind alles auch nur Menschen mit Bedürfnissen. 🙂
Sorry, es war doch nicht der richtige Abschluss des Tages. Der kam erst nach dem Essen im Hotel. Nachdem man tagsüber an diversen Weingütern vorbeigefahren ist, musste am Abend einfach noch ein bolivianischer Rotwein organisiert werden. Zum Glück war der Supermercado noch auf. Ein bis zwei Gläser dürfen es nun also noch sein. So gegen Zehn kommt ja wieder der nächste Flug in Tarija an. Den Vibrationen und der Lautstärke der letzten Nacht nach zu urteilen müsste er auf dem Dach des Nachbarhauses gelandet sein. Die Erkenntniss kam nachdem man sich darüber beklagte das die Autos so laut sind! 😉
Dennoch….alles ist gut! (Abgesehen von dem Sonnenbrand von gestern.)