Lorbeermärchenwald

Die erste Amtshandlung des Tages: tanken. Das hieß wir mussten ersteinmal zum Strand runter, volltanken, um dann wieder in die andere Richtung in die Berge zu fahren. Am Strand waren es knappe 25 Grad, wir wollten aber in die Berge zu den 10 Grad. Klingt komisch, aber am Strand gibt es einfach zu wenig Pflanzen als das man hier seinen Tag verbringen könnte. 😉

Über Arure und Barraquillo führte uns die perfekt asphaltierte Hauptstraße bis nach Las Creces. Hier hatten wir eine Tour durch den Nebel-Lorbeerwald (Laurisilva) geplant. Der Wald ist bekannt für seine mit Moosen und Bartflechten überwucherten Stämme, sowie den stetigen Nebel der durch den nordöstlichen Passatwind hineingedrückt wird. Es ist ein uralter Wald der unter Schutz steht und durch äußerst wenige menschliche Eingriffe verletzt wurde. Einige Wanderwege stehen gut ausgeschildert und markiert zur Verfügung. Andere Möglichkeiten den Wald zu passieren gibt es auch nicht, da es ein Urwald im klassischen Sinne ist. Totholz liegt ebenso wie abgeknickte Bäume herum und alles bleibt natürlich sich selbst überlassen.

Die Atmosphäre hat etwas mystisches. Wabernde Nebelschwaden, hin und wieder ein Vogelgezwitscher, ansonsten gespenstische Stile und manchmal nur ein zarter Hauch frischer Höhenluft. Wie von Geisterhand wedeln die Moose und Flechten an den Bäumen und entledigen sich in unregelmäßigen Abständen einiger Tropfen des kühlen Naß, welches dauerhaft an ihnen haften bleibt. Von Zeit zu Zeit öffnte sich ein Spalt in den Wolken und in dem Nebel, so das man das Gefühl bekommt irgendjemand hätte das Licht eingeschaltet. Nach Sekunden ist es meist wieder vorbei und man wandelt im Dämmerlicht des Waldes. Beim Laufen fallen einem so einige Parallelen aus der Filmwelt ein die in dieses Szenario wunderbar passen würden: Der Wald von Fangorn der die Ents im „Herrn der Ringe“ beherbergt oder der Film „The Fog – Nebel des Grauens“.

Die botanischen Besonderheiten in diesem Wald sind der haarige Hauswurz, Kanarischer Schneeball, Kanarischer Efeu, Zistrose, Maulbeerblättrige Brennessel (Böse!), Flechten, Moose, Farne, Pilze sowie natürlich der Lorbeer. Letzterer war mitunter sogar mit roten Früchten behangen.

Das Fotografieren in dieser Umgebung ist für jeden Laien eine absolut grauenvolle Erfahrung. Wenig Licht und teils schwierige Gegenlicht Situationen. Langzeitbelichtungen scheiden aus und langes Herumfuchteln mit dem Gerät sollte aufgrund der stets herunterfallenden Tropfen vermieden werden. Ein Microfasertuch bedeckte fast durchgehend die Kamera.

Nach einigen Stunden versuchten wir uns aus dem Bann des Waldes zu befreien und kehrten zurück über Las Hayas und  Arure nach Valle Gran Rey. Die Temperaturen stiegen nun von zehn Grad auf deutlich über zwanzig.

Nach einem kurzen Verschnaufen und einem wärmenden Tee, ging es wieder nach Vueltas. Brötchen beim deutschen Bäcker kaufen und ein paar T-Shirts als Souvenirs. Nach dem Pflicht Teil folgte die Kür. Wir fuhren nach La Playa, auf die andere Seite der Bucht und suchten das Avenida auf. Eine nette Pizzeria mit fantastischem Ausblick auf die Bucht mit dem schwarzen Lavasand. Nach einem spanischen Reisgericht und einer Pizza gingen wir frisch gestärkt zu dem allabendlichen Spektakel, welches sich keine 100 Meter von dem Restaurant entfernt am Strand abspielt. Jeden Abend treffen sich hier zum Sonnenuntergang Menschen die auf Trommeln spielen sowie ein Artist der Allerlei spannende Dinge mit Fackeln und Feuertöpfen macht. Wer hier wen begleitet oder untermalt, kann man sich aussuchen. Nachdem der Hut herumging, verließen wir den kühler werdenden Strand und machten uns mit dem Auto wieder auf in unsere auf 326 Metern gelegene Hütte.

Auch dies war ein ausgesprochen guter Tag. (Mal abgesehen von den Bauarbeitern auf dem Nachbargrundstück.)

Das Netbook das tapfer sämtliche Reisen bislang überlebt hat, fängt so langsam an sich zu verabschieden. Laden ist nur noch sporadisch möglich und ich rechne bald täglich damit das ich es nicht mehr nutzen kann. Sollte also plötzlich kein Bericht mehr folgen, dann kann es durchaus den banalen Grund haben das die Technik versagt hat.

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