…Überraschung: Kakteen.
Fangen wir am Morgen an. Wir mussten, so sah es der Plan vor, Camargo verlassen. Ein wenig Wehmut war dabei. Camargo ist doch eine nette kleine Siedlung mit einer Menge freundlichen Menschen und einem mediteranen Klima im bolivianischen Frühling. Sehr charmant sind die Weinbetriebe die auch hier zu einer Weinstraße organisiert sind. Der Aufbruch nach Sucre, der heimlichen Hauptstadt des Landes war jedoch unvermeidbar.
Unser erster Stop sollte uns an einen Standort von Pflanzen der Gattung Rebutia bringen. Das war nicht so einfach. Eine neue Straße wurde gebaut und somit war die gegenüberliegende Talseite nur mit massiven Aufwand möglich. Also blieben wir auf der anderen, quasi falschen Seite, und fotografierten „wenigstens“ die Austrocylindropuntia schafferi in prächtigen Ausmaßen und diverse Pflanzen der Gattung Parodia. Die Opuntien war auch mal wieder vor Ort, wurden aber mit Ignoranz gestraft. Immerhin schmerzen sie doch recht arg man man dort hinein läuft.
Der nächste Halt war mal wieder ein weiteres Highlight. Eine unscheinbare Fläche, welche mit Weingartia lecoriensis und Cintia knizei gespickt war. Die Pflanzen an sich waren nicht einfach zu finden. Die Fläche auf der die C. knitzei wächst ist doch recht klein und überschaubar. Die Freude über die ca. 20 gefundenen Exemplare war dafür um so größer. Das ganze fand natürlich mal wieder bei einer Sahara-ähnlichen Umgebung statt. Der Untergrund war teils sandig, teils mit schieferartigen Felsen durchzogen. Garniert war das Ambiente mit Temperaturen die am heutigen Tage wahrscheinlich vierzig Grad höher als in Deutschland sein dürften.
Der Weg zu den Kakteenstandorten und abschließend nach Sucre, führte uns zunächst nach Potosi zurück und erst dann nach Sucre. Der Grund hierfür liegt darin, das die Verbindungen auch zwischen größeren Orten zum Teil noch aus Schotterpiste bestehen und somit noch mehr Zeit kosten. Immerhin waren die knapp 300KM heute in einem Tag absolviert. Was es hier alles zu beobachten gibt, ist mitunter amüsant, komisch und es stimmt einen auch nachdenklich.
Amüsant war zum Beispiel die unglaubliche Menge an Lamas zwischen Potosi und Sucre. Immerhin ging es mal wieder mit dem Auto über einen Paß von 4200 Metern Höhe. Hier gibt es tausende von diesen lustigen Tieren. Mit den roten Puscheln an den Ohren bringen sie einen immer wieder zum Schmunzeln. Komisch war ein Exemplar welches uns versuchte auszubremsen und völlig tüffelig die Straße kreuzte.
Mit gemischten Gefühlen betrachtet man doch eher die unglaubliche Menge an Straßenhunden. Es gibt teilweise selbst auf 3500 Metern Höhe Stellen an denn alle 100 bis 300 Metern ein Hund lungert und auf Leckerlies warten. Manchmal sind es auch ganze Rudel die gemeinsam streunen.
Ein ebenfalls merkwürdig anmutendes Phänomen sind die unzähligen Häuser die verlassen sind oder zum Teil einfach nur so aussehen. Oftmals sind die Häuser kaputt und nur an der frischen Wäsche neben dem Haus sieht man das es doch noch bewohnt ist. In einigen Gebieten findet man auch kleinere Siedlungen die komplett unbewohnt aussehen. Kommt man dann einer großen Stadt wie Sucre näher, dann versteht man auch wo die Menschen geblieben sind. Ein großer Teil dieser ländlichen Gebäude besteht übrigens aus den traditionellen Lehmziegeln, welche sich offensichtlich im Laufe der Jahre selbst zerlegen.
Ebenfalls merkwürdig: Die Polizei stand kurz hinter Potosi mal wieder mit einer Speed Gun uns hat die Leute abgezockt. Wir hatten „Glück“. Unserer blauer Truck schwächelte wieder.
Der Rest des Tages entspricht den vorherigen: Essen, sichern, säubern, laden und kollabieren.